©Claudia Herrmann


Der Anfang von meinem Roman


 Tante Käthe schlenderte ziellos durch das Lebensmittelgeschäft! Sie versuchte ihr Gedächtnis zu durchkramen, was sie hier eigentlich wollte, aber der Sinn ihres Besuchs in diesem Laden wollte ihr partout nicht mehr einfallen! Nachdem sie mindestens 5 Runden durch den Laden gebummelt war, wurde eine Verkäuferin auf sie aufmerksam! „Kann ich Ihnen helfen?“ fragte sie freundlich! „Keine Ahnung, ob Sie das können, aber versuchen sie es doch mal,“ stammelte Tante Käthe,die morgen ihren 90.Geburtstag feiern wollte! Sie trug ein Angorakleid, einen beigen Mantel, ihren Lieblingshut und war vorhin noch bei ihrem Friseur um die Ecke, nun waren ihre weißen Haare zu kleinen Löckchen aufgedreht! „Ich weiß, dass ich irgendwas kaufen wollte, aber was das ist, ist mir entfallen,“ stöhnte sie. Die Verkäuferin, die noch ziemlich jung aussah, Tante Käthe um einen Kopf überragte und ihre blonden Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden trug, schaute auf die kleinere Dame herunter und meinte:“ Überlegen Sie mal genau für welchen Anlass Sie etwas besorgen wollten, vielleicht fällt Ihnen dann wieder ein, um welche Artikel es sich handelt!“ „Hm, das wäre eine Überlegung wert, mir darüber mal Gedanken zu machen,“ lächelte Tante Käthe ihr Gegenüber an! Da Anja, die junge Verkäuferin, ihr nicht weiterhelfen konnte, fing sie an, die Waren von dem Rollwagen neben sich in die Regale zu räumen! Auf einmal wurde sie durch einen Schrei von Tante Käthe unterbrochen! „Oh, da ganz unten, die Dose Mischgemüse, genau das ist es, was ich suche,“ und sie schaute Anja wissend und abwartend an! Diese seufzte leise und erwähnte, dass es eine Weile dauern könnte, bis sie unten bei dem Mischgemüse angelangt wäre! Es passte ihr eigentlich nicht, wenn sie so beobachtet wurde, wie es Tante Käthe tat, die immer ungeduldiger zu werden schien! Deswegen beeilte sich Anja etwas mehr als sonst, um schnell an eine Dose Mischgemüse zu kommen, damit die Kundin ihr nicht dauernd auf die Finger guckte, nach gefühlten 10 Minuten und einem Teil von Tante Käthes Lebensgeschichte, war sie endlich bei den verschiedenen Gemüsedosen angelangt! Da die verwirrte Kundin auf eine Dose mit Erbsen und Möhren gezeigt hatte, ging sie auch davon aus, dass es die gewünschte Ware wäre, nahm eine Dose in die Hand und streckte diese Tante Käthe hin! „Bitte, hier ist das Mischgemüse, haben Sie sonst noch einen Wunsch?“ Anja hoffte inständig, dass das nicht der Fall sei! „Was soll ich denn damit?“ Tante Käthe schaute ganz ungläubig! „Aber Sie meinten doch, dass Sie eine Dose Mischgemüse brauchen,“ Anja sah sehr genervt aus, was Tante Käthe ihr auch zu verstehen gab! „Nun aber mal mit der Ruhe, junge Frau! Ich hatte Ihnen doch gesagt ,dass ich nicht weiß, was ich eigentlich will, aber jetzt ist es mir endlich eingefallen, ich wollte sie nur nicht unterbrechen, also ich brauche Puddingpulver, da ich einen Schokoladenpudding machen möchte, Milch habe ich noch zuhause im Kühlschrank,“ Tante Käthe grinste! „Da müssen sie den nächsten Gang links rein und dann auf der rechten Seite sind die verschiedenen Päckchen Puddingpulver,“ erklärte Anja, die keine Lust hatte, darüber zu diskutieren, dass es ja eigentlich um eine Dose Mischgemüse ging, aber der Kunde ist König, dies wurde ihr vom Chef mehr als einmal eingetrichtet! „Gut, dann schaue ich da mal nach,“ meinte Tante Käthe und bevor sie um die Ecke bog, gab sie der genervten Anja noch ein paar Tipps mit auf den Weg, doch die junge Verkäuferin war mit ihren Gedanken schon ganz woanders und hörte nur mit halben Ohr zu! Erleichtert atmete sie aus, als sie sah, dass die alte Dame verschwunden war! Sie räumte weiter, als sie plötzlich einen lauten Knall hörte! „Können Sie nicht aufpassen,“ schrie Tante Käthe! Da Anja von Natur aus neugierig ist, schlich sie zu der Ecke, um die Tante Käthe verschwunden war, um zu sehen, was da los ist! Da sah sie das Malheur! Drei Gläser mit Pilzen erster Wahl waren zerbrochen, der Inhalt auf dem Boden verstreut! Scherben, Flüssigkeit und dazwischen die Pilze! Ihr Kollege Hermann Bauch stand verdattert daneben und schaute wie eine Kuh, wenn's donnert! Anja wollte sich schnell wieder zurückziehen, damit sie sich nicht wieder mit der Dame auseinandersetzen musste, da entdeckte diese sie und rief:“ Kommen Sie mal schnell her und schauen, was hier los ist, dieser Depp hat mich fast umgerannt, wollte ausweichen und nun sind die schönen Gläser mit den Pilzen zerbrochen, die ich doch unbedingt kaufen wollte, so was aber auch!“ Hermann sagte immer noch nichts, er war nicht gerade der Hellste, da meinte Anja:“ Aber Sie sagten doch, dass Sie Schokoladenpudding machen wollen und dazu das Pulver brauchen!“ „Papperlapapp, das habe ich niemals gesagt, da müssen Sie sich verhört haben,“ Tante Käthe guckte sie an, als wenn sie an Anjas Geisteszustand zweifelte! „Ich mache mir wirklich langsam Sorgen um Sie, zuerst wollten Sie mich mit einem Glas Erbsen und Möhren vertrösten, jetzt auch noch mit Puddingpulver, ich hasse Schokoladenpudding! Nein nein, die heutige Jugend hört einem aber auch nicht mehr zu! Ich wollte genau diese drei Gläser Pilze erster Wahl, aber die sind ja nun nicht mehr zu gebrauchen, was mache ich jetzt bloß?“ Endlich hatte sich Hermann etwas gefangen und erklärte der aufgeregten Tante Käthe, dass er ihr noch Pilze zweiter Wahl anbieten könnte, die würden auch sehr gut schmecken! Sie meinte, dass das überhaupt nicht in ihrem Sinne wäre und sich nun ernsthaft etwas anderes überlegen müsste, aber dafür brauche sie erst mal Zeit, drehte sich um und verschwand ohne ein weiteres Wort um die nächste Ecke! Hermann und Anja schauten sich entgeistert an, als in diesem Moment ihr Chef Herr Raschebaum plötzlich vor ihnen stand, den sie gar nicht gesehen hatten und meinte:“ Wollen Sie hier Wurzeln schlagen?“ „Nein,“ beeilte sich Anja zu sagen, die damit ja nicht wirklich was zu tun hatte und sich ärgerte, dass sie ihre Neugier nicht in den Griff bekam, denn sie hätte sich ja einfach raushalten können, aber nun war es irgendwie zu spät! „Ich hole gleich mal Eimer und Schrubber, um das Missgeschick zu beseitigen!“ Sie warf Hermann, der verdattert daneben stand, einen giftigen Blick zu und verschwand! Unterwegs überlegte sie, wie man nur so herumlaufen konnte wie dieser Hermann! Pircing durch die Nase, eine blau gefärbte Strähne, die ihm ständig vor seinen Augen rumbaumelte und diese schrecklichen weiten Hosen! Als sie mit dem Putzzeug zurückkehrte, waren Hermann und ihr Chef nicht mehr in Sichtweite, auch Tante Käthe sah sie nicht mehr...